Mehr Mut (1985)

An einem Nachmittag in der Schweiz

wünsche ich mir

weniger Missverständnisse

weniger Unfrieden

weniger Wut –

dafür

mehr Zärtlichkeit

mehr Wärme

mehr Mut

nicht nur für dieses Jahr

sondern nur für die Zukunft.

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Durchhaltesonnet

Sohnemann in die Tasten haut
Katze vor der Tür miaut
und nebenan wird ein Haus gebaut.

Juwelen aus Geschäft geklaut
Nachbar hört Black Sabbath laut
im Kloster wird noch Bier gebraut.

Zur Unzeit Rostbratwurst mit Kraut
leis vor sich hin der Kühlschrank taut
derweil bald schon der Morgen graut.

Nachdenklich kurz am Brot gekaut
und dann wird wieder nach vorn geschaut.

Gegen die 10a

Es war in den 70er Jahren, als ich aufs Gymnasium ging und alljährlich das Fußballturnier der Mittelstufe standfand. In diesem Jahr nahm unsere Klasse als 7b auch erstmals mit einer Mannschaft teil, bei der ich im Tor spielte. Durch die Unterstufenturniere war unsere Truppe in den Jahren zuvor wie ein Tornado gefegt und hatte die beiden Turniersiege unter anderem mit Ergebnissen wie 18:0 und 22:0 gegen die völlig überforderte 5e und 6e eingefahren. Bei solchen Begegnungen kamen meine Mitspieler gerne auf die Idee, bei fortgeschrittenem Spielstand einen für uns gepfiffenen Elfmeter von mir schießen zu lassen. Ich fand das damals aber irgendwie unsportlich oder irgendetwas, das ich nicht näher benennen konnte – es hatte so etwas Abfälliges. Na, jedenfalls habe ich diese Elfmeter alle verschossen.

Unabhängig davon hatten wir uns jedenfalls einen Ruf erarbeitet – zwar nannte uns niemand „Die jungen Wilden“, aber das hätte es ganz gut getroffen. Nun also kam das Mittelstufenturnier der Klassen 7 bis 10.

An einem heißen Mittwoch ging es auf dem Ascheplatz Auf der Aue gegen die selbsternannten Favoriten aus der 10a, die bis dato alle unteren Klassen locker besiegt hatten und entsprechend großmaulig und aufgeblasen in der Schule umherstolzierten. Ein wunderbarer Ansporn für uns.

Das Spiel war eng und wogte hin und her. Auf der einen Seite unsere flinke, technisch recht versierte Mannschaft, auf der anderen Seite die obendrein mit einigen Sitzenbleibern gespickte Kraftmaschine der 10a. Mit zunehmender Spielzeit wurden die Großen ungeduldig und ärgerlich, weil es nicht so leicht wurde, wie sie es sich vorgestellt hatten. Tore fielen auch – in der Reihenfolge 1:0 für uns, danach 1:1 und 1:2 für die anderen. Kurz vor Spielende schafften wir noch den Ausgleich, so dass es in die Verlängerung gehen musste. Verschwitzt und längst mit einem dicken aschroten Schmutzfilm überzogen gingen wir nach einem Schluck aus der Wasserflasche wieder ans Werk. Der Schiedsrichter – im richtigen Leben war er unser Deutschlehrer – schleppte sich bei den hohen Temperaturen immer mühsamer von Strafraum zu Strafraum und konnte jeweils ein weiteres Tor für jede Mannschaft auf seinem Zettel notieren. Dann war auch die Verlängerung vorbei. Das Drama ging in die letzte Runde: Elfmeterschießen.

Der Grund dafür, warum ich mich noch so gut an das Spiel erinnere, folgte in den anschließenden Minuten.

Ich weiß nicht mehr, ob einer unserer fünf Schützen sein Ziel verfehlte, aber ich weiß noch sehr genau, dass ich einen der Elfmeter der 10a aus der linken Torwartecke kratze – und zwei andere aus der rechten, die meine Schokoladenecke war. Das hatten die Großmäuler aus der 10a scheinbar nicht gewusst.

Und so flog der letzte erfolgreich weggefaustete Schuss der Nachmittagssonne entgegen – und gefühlt würde ich sagen, noch bevor er wieder auf dem Aschenplatz Auf der Aue landete, war ich bereits unter einer großen Traube verklebter, verschwitzter, verschmutzter und jubelnder Mitspieler verschwunden. Als ich wieder auftauchte, hörte ich unseren Deutschlehrer mit hochrotem Kopf zu einem der Zuschauer sagen: „Diese 7b ist der Wahnsinn.“

Das hat uns natürlich gefallen.

Ich verstehe (1982)

Ich verstehe es, wenn kleine Kinder weinen
und kurz darauf schon wieder fröhlich sind
ich verstehe es, wenn alte Leute meinen
sie wären gern nochmal ein Kind

Ich verstehe es, wenn Hoffnungslose saufen
verlier’n sie auch ihr letztes Geld
oft genug ging auch ich schon laufen
vor der Gleichgültigkeit der Welt

Ich verstehe es, wenn Mütter sich oft grundlos sorgen
geht’s mir auch manchmal gegen den Strich
ich möcht‘ mich nicht sehen, wenn ab morgen
niemand besorgt mehr ist um mich

Ich verstehe es, wenn Heimatlose grübeln
auf ihrer Suche nach dem festen Halt
ich kann es ihnen nicht verübeln
hoff‘ doch auch ich, meiner käme bald

Und doch ist mein Verständnis noch zu klein
um alles völlig klar zu seh’n
egal – ich werd an dem Tag glücklich sein
an dem wir beide uns versteh’n.

Chance to flee (1980)

Snow is falling
A voice is calling
Somewhere from infinity
I wish I’d have the chance to flee

Wind is blowing
Thoughts are flowing
Somewhere to infinity
If I’d only have the chance to flee

Years are flying
A man is sighing
Maybe till infinity
Still waiting for his chance to flee

As sure as there’s infinity
Someday I’ll have my chance to flee

Song for a lady (September, 1978)

A head on my shoulder

and a hand resting in mine

Our world’s getting older

but the stars always shine

~ ~ ~

Surrounded by another land

and a moment without end

A feeling like leaving the ground

silence’s such a wonderful sound

~ ~ ~

Rain starts the next attack

a rainbow’s hard to find

passing days never come back

but we two don’t mind

~ ~ ~

Blue rendezvous of meeting eyes

and freedom in the endless skies

A world of disappearing light

feelings awake in the night

~ ~ ~

A head on my shoulder

your hand resting in mine

The wind’s getting colder

but the stars always shine

~ ~ ~

yes,

the wind’s getting colder

but we two don’t mind.