An einem Nachmittag in der Schweiz
wünsche ich mir
weniger Missverständnisse
weniger Unfrieden
weniger Wut –
dafür
mehr Zärtlichkeit
mehr Wärme
mehr Mut
nicht nur für dieses Jahr
sondern nur für die Zukunft.
Durchhaltesonnet
Sohnemann in die Tasten haut
Katze vor der Tür miaut
und nebenan wird ein Haus gebaut.
Juwelen aus Geschäft geklaut
Nachbar hört Black Sabbath laut
im Kloster wird noch Bier gebraut.
Zur Unzeit Rostbratwurst mit Kraut
leis vor sich hin der Kühlschrank taut
derweil bald schon der Morgen graut.
Nachdenklich kurz am Brot gekaut
und schon wird wieder nach vorn geschaut.
Ansichtssache
Himmel
macht mal wieder blau
hinter bewölkter Fassadeund der Bleistift
an dem ich kauist nicht mehr spitz
auf mich.Schade.
Gegen die 10a
Es war in den 70er Jahren, als ich aufs Gymnasium ging und alljährlich das Fußballturnier der Mittelstufe standfand. In diesem Jahr nahm unsere Klasse als 7b auch erstmals mit einer Mannschaft teil und ich spielte im Tor. Durch die Unterstufenturniere war unsere Truppe in den Jahren zuvor wie ein Tornado gesaust und hatte die beiden Turniersiege mit Ergebnissen wie 18:0 und 22:0 gegen eine völlig überforderte 5e und 6e eingefahren. Bei solchen Begegnungen kamen meine Mitspieler gerne auf die Idee, bei fortgeschrittenem Spielstand einen für uns gepfiffenen Elfmeter von mir schießen zu lassen. Ich fand das damals aber irgendwie unsportlich oder irgendetwas, das ich nicht näher benennen konnte – es hatte etwas Abfälliges. Jedenfalls habe ich diese Elfmeter alle verschossen.
Unabhängig davon hatten wir uns einen Ruf erarbeitet – es nannte uns zwar niemand „Die jungen Wilden“, aber das hätte es recht gut getroffen. Und nun kam also das Mittelstufenturnier der Klassen 7 bis 10.
An einem heißen Mittwoch ging es auf dem Ascheplatz „Auf der Aue“ gegen die natürlich selbsternannten Favoriten aus der 10a, welche bis dato alle unteren Klassen locker besiegt hatten und entsprechend großmaulig und aufgeblasen in der Schule umherstolzierten. Ein wunderbarer Ansporn für uns.
Das Spiel war eng und wogte hin und her. Auf der einen Seite unsere flinke, technisch recht versierte Mannschaft, auf der anderen Seite die obendrein mit einigen Sitzenbleibern gespickte Kraftmaschine der 10a. Mit zunehmender Spielzeit wurden die Großen ungeduldig und ärgerlich, weil es nicht so leicht wurde, wie sie es sich vorgestellt hatten. Tore fielen auch – in der Reihenfolge 1:0 für uns, danach 1:1 und 1:2 für die anderen. Kurz vor Spielende schafften wir den Ausgleich, so dass es in die Verlängerung gehen musste. Verschwitzt und längst mit einem dicken aschroten Schmutzfilm überzogen gingen wir nach einem Schluck aus der Wasserflasche wieder ans Werk. Der Schiedsrichter – im richtigen Leben war er unser Deutschlehrer – schleppte sich bei den hohen Temperaturen immer mühsamer von Strafraum zu Strafraum und konnte jeweils ein weiteres Tor für jede Mannschaft auf seinem Zettel notieren. Dann war auch die Verlängerung vorbei. Das Drama ging in seine letzte Runde: Elfmeterschießen.
Der Grund dafür, warum ich mich so gut an das Spiel erinnere, folgte in den anschließenden Minuten.
Ich weiß nicht mehr, ob einer unser fünf Schützen sein Ziel verfehlte, aber dafür noch sehr genau, dass ich einen der Elfmeter der 10a aus der linken Torwartecke kratzte – und zwei andere aus der rechten, die meine Schokoladenecke war. Das hatten die Großmäuler aus der 10a nicht gewusst.
Und so flog der letzte erfolgreich weggefaustete Schuss der Nachmittagssonne entgegen – und gefühlt würde ich sagen, noch bevor er wieder auf dem Aschenplatz landete, war ich bereits unter einer großen Traube verklebter, verschwitzter, verschmutzter und jubelnder Mitspieler verschwunden. Als ich wieder auftauchte, hörte ich unseren Deutschlehrer mit hochrotem Kopf zu einem der Zuschauer sagen: „Diese 7b ist der Wahnsinn.“
Ich verstehe (1982)
Ich verstehe es, wenn kleine Kinder weinen
und kurz darauf schon wieder fröhlich sind
ich verstehe es, wenn alte Leute meinen
sie wären gern nochmal ein Kind
Ich verstehe es, wenn Hoffnungslose saufen
verlier’n sie auch ihr letztes Geld
oft genug ging auch ich schon laufen
vor der Gleichgültigkeit der Welt
Ich verstehe es, wenn Mütter sich oft grundlos sorgen
geht’s mir auch manchmal gegen den Strich
ich möcht‘ mich nicht sehen, wenn ab morgen
niemand besorgt mehr ist um mich
Ich verstehe es, wenn Heimatlose grübeln
auf ihrer Suche nach dem festen Halt
ich kann es ihnen nicht verübeln
hoff‘ doch auch ich, meiner käme bald
Und doch ist mein Verständnis noch zu klein
um alles völlig klar zu seh’n
egal – ich werd an dem Tag glücklich sein
an dem wir beide uns versteh’n.
Chance to flee (1980)
Snow is falling
A voice is calling
Somewhere from infinity
I wish I’d have the chance to flee
Wind is blowing
Thoughts are flowing
Somewhere to infinity
If I’d only have the chance to flee
Years are flying
A man is sighing
Maybe till infinity
Still waiting for his chance to flee
As sure as there’s infinity
Someday I’ll have my chance to flee
Song for a lady (September, 1978)
A head on my shoulder
and a hand resting in mine
Our world’s getting older
but the stars always shine
~ ~ ~
Surrounded by another land
and a moment without end
A feeling like leaving the ground
silence’s such a wonderful sound
~ ~ ~
Rain starts the next attack
a rainbow’s hard to find
passing days never come back
but we two don’t mind
~ ~ ~
Blue rendezvous of meeting eyes
and freedom in the endless skies
A world of disappearing light
feelings awake in the night
~ ~ ~
A head on my shoulder
your hand resting in mine
The wind’s getting colder
but the stars always shine
~ ~ ~
yes,
the wind’s getting colder
but we two don’t mind.
Collsuspina, August 2015
Trau dich
Unbeglichene Rechnungen
die seit Jahrzehnten offen sind
weil niemand sagte
„Für mich nichts mehr, danke.“
Und so hat das Schicksal
immer noch die Hand am Hahn
für den letzten endgültigen Drink
der niemals kommt
weil niemand ihn bestellt.
Und so hat das Schicksal
immer noch die Hand am Abzug
falls sich doch jemand traut
und aus der Deckung tritt
mit offener Brust, mit offenem Herzen.
Warum bleibt so vieles in der Schwebe
aus Furcht vor dem klaren Wort
oder einfach aus Bequemlichkeit.
Es geht im Leben
nicht alles immer böse aus
also trau dich, renn los, sag es laut
vielleicht wirft der andere die Hände
um dich
und wartet nur darauf.
All part of the learning, 1986
Now I’ve got time
now I’ve got leasure
trying to show you how I feel
now I can think of rhythm and rhyme
now I can think of measure
trying to show you part of my deal
– o –
The sea brings a breeze
of weed and fish and yearning
and suddenly I realize
that it’s all part of the learning
– o –
I think of my home town
and I think of my past
echoes of my days gone by
guess some of them will always last
– o –
Some people wanted me to be their hope
expectations I couldn’t fulfill
‚cause I was just trying to be myself
and that’s what I’m doing still
– o –
The sea brings a breeze
of weed and fish and yearning
and suddenly I realize
that it’s all part of the learning
– o –
Travels and travels
in search of a home
and a cloudless peaceful sky
– o –
Years of fun and years of revel
and sometimes feeling alone
and therefore a tear in my eye
– o –
The sea brings a breeze
of weed and fish and yearning
and suddenly I realize
that it’s all part of the learning
– o –
But then finally I found my baby
the one who gives me company
thank God she’s isn’t that kind of a lady
but rather knows how to deal with me
– o –
I know that I can be her man
her expectations I’m gonna fulfill
‚cause she only wants me to be myself
and that’s what I’m doing still
– o –
‚cause she only wants me to be myself
and that’s what I always will.
Lyrics: Der Did.
Music: Der Osch.
